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UNSERE SCHULE

"Auf das Innere kommt es an..."

Eine Geschichte erzählt:


"Ein Mann entdeckte in einem Kunstgeschäft ein wunderschönes Bild, eine kostbare Ikone.

Sofort beschloss er, das Bild zu kaufen.
Er suchte nach einer passenden Stelle in seiner Wohnung. An einem zentralen Platz stellte er das wertvolle und geschätzte Bild auf einen Tisch. Dort konnte es in seiner ganzen Schönheit voll zur Geltung kommen.

Nach einiger Zeit dachte der Mann:
Ich muss ein neues Tischtuch besorgen, dann kommt das wunderschöne Bild mit dem kunstvollen Rahmen noch besser zur Geltung.
Bald darauf meinte der Kunstliebhaber:
So ein kostbares Bild ist es wert, dass der Fußboden erneuert wird. Also ließ er einen neuen Fußboden verlegen.Dann fand der Mann, die Vorhänge müssten mit dem Bild abgestimmt werden. Sogleich ließ er sie ändern und schaffte neue an.

Zu guter Letzt wechselte er auch noch die Tapeten in seiner Wohnung."
So weit diese Geschichte.

 

Ein kleines Bild mit einer großen Wirkung:

Große Wertschätzung hat Folgen. Das Bild an zentraler Stelle ist für den Mann von so zentraler Bedeutung, dass er sich veranlasst, gedrängt und motiviert fühlt, seine ganze Wohnung zu ändern, zu erneuern, vollständig umzugestalten.

 

„Auf das Innere kommt es an."


Dieser Satz stammt vom Ordensgründer von uns Marianisten, vom Seligen Wilhelm Josef Chaminade. Er ist seine geistige und spirituelle Grundhaltung.

„Das Innere", was ist damit gemeint?

Das Herz ist das Hauptorgan unseres Körpers. Es liefert die Triebkraft für unseren Blutkreislauf und pumpt ununterbrochen Blut durch die Adern.

 

„Auf das Innere kommt es an."


Mit diesem „Inneren" ist nicht unser organisches Herz gemeint, das rhythmisch pulsierende Herz, für das sich die Ärzte interessieren, wenn das Herzklopfen einmal gestört ist, sondern das Herz, das wir spüren, wenn wir gut sind zueinander, wenn wir uns gern haben, wenn wir Freude oder Trauer erleben.

Dieses Herz steht für den innersten Kern von uns Menschen, für den innersten Bereich unserer menschlichen Person, für die geheimnisvolle Zone, die jede und jeder von uns zu einem unverwechselbaren Wesen macht.
Dieses Herz ist das bedeutungsreichste menschliche „Urwort". Es bezeichnet die innerste Mitte, das Zentrum unserer leib-geistigen Person, den Quellgrung unserer Gedanken und Erwägungen, unseres Planens, Wollens und Handelns, aber auch unserer Leidenschaften und Entschlüsse.
Ein beherztes Leben ist ein aus der Mitte heraus geführtes Leben.
Wenn das Herz als Mitte der Person stark und bestimmend ist, haben wir es mit einer Persönlichkeit zu tun.
Wir Menschen sind nicht nur Verstand und Wille, Arbeit, Erfolg, Verdienst, Konsum und Vergnügen. Im Grunde prägen uns nicht Wissen, Können und Leistung, sondern das Herz. Es sagt mir, was ich eigentlich will, was mir innerlich zutiefst ur eigen ist und was mir entspricht. Nur das Herz weiß, was mir gut tut. Es ist das Zuhause meines Glaubens, meiner Hoffnung und meiner Liebe.


Die Qualität meines Lebens hängt davon ab, ob ich wirklich selbst lebe oder ob ich gelebt werde, d.h. ob ich aus dem Zentrum meiner Persönlichkeit lebe und mein Leben selbst entscheide oder immer nur in Teilbereichen existiere.

 

„Schönheit kommt von innen." So lautet der Titel eines Vortrages, den ich vor kurzem auf einem Plakat in Wien gelesen habe.
Im alttestamentlichen Buch Jesus Sirach heißt es:
„Das Herz des Menschen verändert sein Gesicht und macht es heiter oder traurig."
Unser Innerstes prägt auch unser Äußeres. Das hat uns die Geschichte von dem „kleinen Bild" gezeigt.
Woran mein Herz hängt, das werde ich verteidigen.
Mein Herz entscheidet, wofür ich leben will. Welcher Geist in meiner Familie und in unserer Schule herrscht.
Es entscheidet über die Werte, die Politik, die Weltanschauung, für die ich kämpfen will.
An der Frage, was für mich wichtig ist, entscheidet sich, wo mein Herz ist und was mein Herz ist.

„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz", heißt es im Evangelium.
Mein Herz ist der Ort meiner Einstellungen und Gesinnungen. Wie ich denke, wie ich fühle, was ich liebe und „wem ich mein Herz weihe", danach handle ich, das strebe ich an und verwirkliche ich.

„Auf das Innere kommt es an."


Die Kraft zur Tat liegt im Herzen, in den Gedanken, im Innern.
Gedanken wandeln sich zur Tat. - Lebensenergie wurzelt im Herzen.
Darum ist es die erste Aufgabe jedes Menschen, auch meine wichtigste Aufgabe: Etwas für mein Inneres zu tun. Eine Kultur des Herzens zu pflegen. - Wesentlich zu werden.

Am Sonntag vor einer Woche war der „Welt-Herz-Tag".
Der Wiener Univ. Dozent Ferdinand Waldenberg sagte anlässlich dieses Tages:
„Das Herz liegt den Österreichern noch viel zu wenig am Herzen. Eigentlich sollte jeder Tag dem Herzen gewidmet sein."

Fragen wir uns:
Kümmere ich mich genügend um mein Inneres?
Habe ich Kontakt mit mir selbst? Mit meinem Wesenskern? Mit meiner Personmitte?
Was steht in der Innen-Einrichtung meines Herzens im Zentrum? Welcher Geist treibt mich?
Wofür lebe ich? Für Geld, Arbeit, Ansehen? Wofür?
Lasse ich genügend mein Herz sprechen?

Liebe Teilnehmer unserer Schulwallfahrt!


„Wer mit einem verschlossenen Herzen lebt, könnte ebenso im Laderaum eines Schiffes auf Kreuzfahrt gehen. Er ahnt und begreift nichts von der Bedeutung, dem Abenteuer, der Erregung und Herrlichkeit des Lebens", hat einmal jemand gesagt.


Ohne unser Herz vermögen wir es nicht, unser Leben und unseren Alltag zu beseelen.
Wer von innen her lebt und bei sich selbst beheimatet ist, hat eine Ausstrahlung, ein Verhalten, hat eine persönliche Note, sein Tun und sein Handeln bekommen eine geistige Prägung. Nur der Mensch, der in seiner eigenen Tiefe wurzelt, der also die geistlich-geistige Dimension sucht, pflegt und auslotet, ist wirklich Mensch.


Dagegen ist ein Leben ohne Tiefgang, ohne Innenkraft des Herzens und der Seele meistens gekennzeichnet von Zerrissenheit und Hektik, Unbehaustsein und Unbeseeltsein, von Beziehungslosigkeit, Rücksichtslosigkeit, auch sich selbst gegenüber, von Heimatlosigkeit, Ungemütlichkeit und Unverbindlichkeit.
Das Herz ist der Vertrauensraum, in dem Glaube und Vertrauen wachsen können. Daher ist es auch der Ort, wo Glaubensbildung geschehen kann.

 

Der Mensch, der sich auf den Weg in die eigenen Tiefe, in seine Personmitte begibt, trifft dort auf Gott, der nach religiöser Überzeugung in uns wohnt und der der ruhende Pol unseres Lebens ist, das Zentrum, die Achse, um die sich alles dreht. Der Kern in allen Dingen. Nur mit unserem Herzen können wir Gottes Nähe und Gegenwart spüren, ahnen und erfahren, sein Wort und seine Impulse hören und verstehen. Und es ist ein großer Unterschied, ob ich in meinem Leben auf Gott höre oder auf andere Idole und Parolen, ob es mein Hauptanliegen ist, vor ihm zu bestehen oder vor anderen Menschen und den Meinungen der Gesellschaft.


„Mit dem Herzen glauben", war für unseren Ordensgründer Wilhelm Josef Chaminade ein zentrales Anliegen.

Er meinte damit, dass wir unser Christsein tiefer ansetzen müssen als nur im Befolgen von kirchlichen Regelungen, von Lebensformen, die nur noch vom Brauchtum getragen sind.

„Mit dem Herzen glauben", das heißt für ihn:
Nicht mehr das Vorgegebene, das Nachbeten, das äußere Mitmachen sollen das Christentum prägen, sondern die persönliche Erfahrung der Nähe Gottes.
Das heißt auch: Nicht die Konferenzen und nicht blinder Aktionismus sind wichtig, sondern die persönliche Gott-Suche und „Verwurzelung" in Gott.
Der Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt:
„Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein."


Da Wort „Mystik" bedeutet, abgeleitet vom griechischen „myein", so viel wie „Nach-Innen-Schauen", „die inneren Sinne wach werden lassen", „eine geistige Mitte finden".

„Mit dem Herzen glauben" meint, anstatt nur eine Lehre zu befolgen, sollten wir Christen Leben vermitteln, frohes, erfülltes Leben.

Wer mit dem Herzen glaubt, für den werden Religion und Glaube nicht nur etwas sein, in das er durch Geburt und Familie hineingewachsen ist, sondern sein Glaube wird das Leben verändern und formen, die Welt mitgestalten.

 

  •  „Auf das Innere kommt es an."
  • Bleiben wir daher wach für die Botschaft unseres Herzens!
  • Tun wir etwas für unser Inneres! Nehmen wir uns Zeit zum Innehalten, zur Stille, zum Gebet, zur Meditation.
  • Mit dem Fuß am Gaspedal sehen wir alles nur flüchtig.
  • Gehen wir immer wieder in unsere eigene Mitte und leben wir aus unserer Mitte.
  • Bleiben wir nicht Zuschauer unseres eigenen Lebens, sondern werden wir wesentlich.
  • Leben wir beherzt, denn „auf das Innere kommt es an".

 

Amen.

 

(AMS-Wallfahrt: 07. 10. 2001, Ernstbrunn.
Predigt: Superior P. Josef Süß SM.
Lesung: 1 Kön 3,5.7.9-12, Evangelium: Mt 6,19-21.)